Chronisch kranke Kinder und Jugendliche in den allgemeinen Schulen
Interklinikschule
     

Mit der wichtigen Initialtagung " Das chronisch kranke Kind in der Schule", April 2002, Frankfurt/ Main wurde über die Arbeit in der Klinikschule hinaus nunmehr auch die große Zahl kranker Kinder in den allgemeinen Schulen in den Blick genommen. Man kann von einer Zahl ausgehen, die im Bereich von 15 % aller Schülerinnen und Schüler liegt, die zur betroffenen Klientel gehört. Hier sind neben Asthma bronchiale, Rheuma, Mukoviszidose, Neurodermitis, Diabetes mellitus, Leukämie, Amputationen nach Tumoren eine große Anzahl von weniger häufigen, für die Kinder und Jugendlichen um nichts weniger schmerzhaften, sozial isolierenden und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigenden Krankheiten aufzuführen. Wird ihnen in den Schulen sonderpädagogischer Prägung insgesamt noch Verständnis und entsprechende Hilfe im Schulalltag entgegengebracht, so treffen sie in den allgemeinen Schulen fast regelhaft auf Abwertung, Marginalisierung und moralische Appelle, sie mögen ihrem Krankheitsgebaren ein Ende machen und sich in die Klasse einfügen. Vorliegende Arbeiten bestätigen diesen fatalen Trend auch für die Gegenwart. Ein wichtiger Schritt zur Veränderung dieser Situation sind die Heimatschulbesuche von Kliniklehrern und Ärzten gewesen, die vor Jahren in der Schule am Universitätsklinikum Tübingen, Kinderklinik, eingerichtet werden konnten. Hieran gilt es nunmehr anzuschließen und zusätzliche Wege zu suchen, die methodisch sinnvoll sind und die Lehrern und Schülern bessere Arbeits- und Lernmöglichkeiten schaffen. Diese Schritte sind ohne kompetente gegenseitige Ergänzung im Sinne interdisziplinärer Kooperation von Medizin und Pädagogik nicht zu leisten.
Gewiss gibt es viele Lehrerinnen und Lehrer, die vor allem bei Rückkehrern aus klinischer Behandlung die anstehenden Probleme zum Anlass nehmen, sich bei den Klinikschulen Beratung zu erbitten und verändertes Lernen auch von sich selbst fordern. Insofern kommt den Klinikschulen doppelte Kompetenz zu, einmal sich im Sinne ihres primären Auftrages sich den Schülerpatienten in der Klinik zuzuwenden, darüber hinaus sich für Fragen offen zu halten, die aus allgemeinen Schulen an sie herangetragen werden. Hier ist erfreulicherweise auf einen zunehmenden Trend gegenseitigen Austausch zu verweisen. Das Vorhaben vermag also durchaus auch die Klinikschule selbst zu stärken - eine gewisse Isolierung vor allem nach langjähriger ausschließlicher Lehrertätigkeit in einer Klinik wird im Kollegenkreis immer wieder angesprochen.

Am Forschungsprojekt beteiligen sich 7 Klinikschulen in den Ländern Baden-Württemberg, Nordrhein- Westfalen und Sachsen.
Das Projekt ist - wie im Projektnamen anklingt - interdisziplinär angelegt und wird wesentlich getragen von der Fakultät für Sonderpädagogik Reutlingen der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und von der Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Abteilung für Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Tübingen. In den drei Ländern sind die Kultusverwaltungen und Schulverwaltungen in das Projekt eingebunden. Damit kommen die Fragestellungen unmittelbar in die Diskussion und andererseits werden die Ergebnisse des Projekts alsbald in der Lehrerfortbildung auf ihre Schlüssigkeit hin geprüft. Eine erste öffentliche Arbeitstagung des Projekts findet am 12./13. November 2004 in Reutlingen und Tübingen statt, die Angebote für Lehrer, Kinderärzte, Eltern und Selbsthilfegruppen bzw. Fördervereine machen soll.
Entscheidende finanzielle Förderung für dieses Projekt verdanken wir der Robert Bosch Stiftung GmbH, deren Mittel für Personal - und Sachkosten eingesetzt werden können.

Prof. Dr. Christoph Ertle

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