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Julius Ambrosius Hülße – Der Urvater des „sächsischen Meters“

18.09.2006
Hülße

Hülße

Biographische Daten und einige ergänzende Informationen

(zusammengestellt von F. Heinz)

Diese biographische Chronologie von Julius Ambrosius Hülße ist ein Spiegel seiner exzellenten fachlichen Begabungen auf dem Gebiet der Mathematik und des Maschinenwesens.

Um Hülßes Wirken verstehen zu können, kommt man an einer Betrachtung der Tätigkeit seines Schulfreundes, Mitherausgebers und später Vorgesetzten, Albert Christian Weinlig, nicht vorbei.

Sein Andenken wird heute in unterschiedlicher Weise gewürdigt. Die TU Dresden benannte nach ihm einen zentralen Bau zwischen Münchner Platz und Helmholtzstraße. In Dresden-Reick trägt eine Straße seinen Namen. Die an ihr liegende Schule übernahm ihn als offizielle Schulbezeichnung und ist als Julius-Ambrosius-Hülße-Gymnasium die einzige schulische Institution, welche die junge Generation an sein Wirken erinnert. Die Stadt Dresden sanierte 2004-05 diesen Schulhausbau aus der Bauhaus-Epoche mit erheblichem finanziellen Aufwand. Diese Renovierung lag in den Händen des Architekturbüros Dr. Heubaum/Dresden.
Die TU Chemnitz würdigt seine Verdienste mit einem Medaillon im Zentralgebäude und der Namensgebung eines Saales in der Fakultät Maschinenbau.

Der Verfasser dieser biographischen Skizze ist dem Leiter des Universitätsarchivs der TU Chemnitz, Herrn Dipl. Archivar Stephan Luther, für dessen großzügige Unterstützung zu besonderem Dank verpflichtet.

Chronologie
1791, 26.03. die Französische Nationalversammlung beschließt das Meter als neue Längenmaßeinheit
1812, 02.05. Julius Ambrosius Hülße wird als Sohn des Salzverwalters Ambrosius Hülße in Leipzig geboren
    Besuch der Thomas-Schule in Leipzig
1829   Hülße und Weinlig beenden ihre Schulzeit an der Thomasschule von Leipzig
1830   Studienbeginn an der Universität Leipzig
  05.04. Matrikeleintragung für das Fach Theologie
  05.10. Gesuch um Inskription bei der Bergakademie Freiberg
    Antrag auf zwei Studienjahre in den Fächern Mathematik und Bergbau
  20.10. Einschreibung bei der Bergakademie Freiberg, Matrikelnummer 1232 [30]
    Hülße hört Vorlesungen in angewandte Mathematik, Bergbau, Physik, allgemeine Chemie und Zeichnen [30]
1832   Ende des Studiums in Freiberg [30]
    Anstellung als Lehrer für Mathematik an der Handelslehranstalt in Leipzig
1837   Eheschließung mit Pauline Schiffner
    (ein gemeinsamer Sohn, der im Jugendalter stirbt, sowie drei Adoptivkinder) [17]
    zusätzlich auch Lehrauftrag für Mathematik an der Nicolaischule in Leipzig
ca. 1837   Promotion zum Dr. Phil.
1838   Gründung des Polytechnischen Centralblattes
    gemeinsam mit seinem Freund Albert Christian Weinlig
    Chefredakteur bis 1850
    1838-1846 Hrsg. J.A. Hülße und A. Chr. Weinlig
1840   der Deutsche Zollverein verständigt sich auf die einheitliche Anwendung des Zollzentners
1841, 01.01. Hülße wird Direktor der Gewerbe- und Baugewerkeschule in Chemnitz
    und erster Lehrer der Mathematik
    Verleihung des Professoren-Titels
1844    
ab 23.06.   Hülße besucht im Auftrag der sächs. Regierung die erste Weltausstellung in Paris, er wird von seinem Freund Weinlig begleitet [28] Studium des franz. Schulwesens und industrieller Unternehmen
1846   Hülße und Weinlig übergeben die Herausgeberschaft am Polytechnischen Centralblatt an G.H.E. Schnedermann und E. Th. Böttcher (beide später Direktoren an der Gewerbeschule zu Chemnitz)
  27.06. Geh.Reg.rath v. Weissenbach verstirbt „fern der Heimat“ war von 1840 bis zum Tod für die oberste Leitung der gewerblichen Bildungsanstalten Sachsens verantwortlich [20]
    Hülße sollte sein Nachfolger werden, konnte aber in Chemnitz nicht entbehrt werden [21]
  01.11. Weinlig wird Mitarbeiter im kgl. Ministerium des Innern und übernimmt die Stelle des verstorbenen v. Weissenbach[29]
1848   Hülße ist Mitglied der Kommission für Erörterung der Arbeits- und Gewerbsverhältnisse,
    die Kommission berät über Mängel in der gewerblichen Praxis von Sachsen und Veränderungen der Gewerbeverfassung
    Beratertätigkeit Hülßes für das sächsische Innenministerium zwecks der Vereinfachung und Vereinheitlichung des sächsischen Unterrichtswesens unter Leitung des Geh. Rates Christian Albert Weinlig [9] (Organisationsplan für das gesamte Unterrichtswesen (Sachsens) [22]
  15.04. in einem Brief an Weinlig bittet Hülße im Interesse der Stadt Chemnitz und der Hartmannschen Maschinenfabrik um Aufmerksamkeit und Unterstützung (Hartmann war fast zahlungsunfähig) [18]
  19.05. in einem Brief an Weinlig klagt Hülße über die Folgen der Revolutionswirren und Maschinenzerstörungen in den Druckbetrieben von Chemnitz; Er bittet Weinlig um Mäßigenden („mild-belehrend“) Einfluss, weil ihn die Gefahr großer Arbeitsplatzverluste in Chemnitz sorgt. [18]
1849   Referent für Industrie- und Gewerbesachen im sächs. Innenministerium
    Abgeordneter für den 60. Wahlbezirk der Stadt Chemnitz und somit Mitglied der zweiten Kammer der sächsischen Ständeversammlung (bis 1869)
1850, 21.06. Beendigung der Tätigkeit als Direktor an der Gewerbeschule in Chemnitz
1850, 02.09. Amtseinführung als (vierter) Direktor der Technischen Bildungsanstalt in Dresden (heute TU Dresden), Nachfolger von Prof. Johann Andreas Schubert
    Professur für Mechanische Technologie und Volkswirtschaftslehre
    Amtseinführung durch Minister v. Friesen
    Berichterstattung Hülßes über die Industrieausstellung Leipzig
1851   Umwandlung der Technischen Bildungsanstalt Dresden in die kgl. Polytechnische Schule, Ablösung der Bergakademie als höchste technische Bildungseinrichtung im Königreich Sachsen
    Berichterstattung Hülßes über die Industrieausstellung London
  Juni Hülße weilt in London und war in Jury-Aufgaben eingebunden
1854   Berichterstattung Hülßes über die Industrieausstellung in München
    Teilbericht Maschinenwesen
1855   Hülße führt die Ausbildung von Lehrern der Mathematik, der Naturwissenschaften und der Technik als neue Abteilung ein.
nach 1855   Hülße übernimmt zusätzlich die Direktion
  • der Schule für Modellieren und Musterzeichnen (1876 wird sie die Kunstgewerbeschule Dresden)
  • der Dresdner Baugewerkenschule
  • der Sächsischen Schifferschule
1856   Beginn der Reform im sächsischen Maß- und Gewichtswesens
    Vorarbeiten durch Hülße
1858, 12.03. Erlass des Gesetz, die Einführung eines allgemeinen Landesgewichts und einige Bestimmungen über das Maaß- und Gewichtswesen im Allgemeinen betreffend (Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen, Nr. 7, 1858)
    in der zum gleichen Tag verkündeten Ausführungsverordnung wird die Einrichtung einer Normalaichungscommission festgelegt.
    Die metrischen Maße aus Paris werden zur Normgrundlage der noch üblichen alten Maße (Pfund, Fuß, Kanne, Scheffel usw.) erklärt und die Dezimalteilung teilweise vorgegeben
  Inkrafttreten am 1. 11. 1858  
    Hülße wird stellv. Vorsitzender der sächsischen Normal-Eichungskommission
    Vorsitzender ist Regierungsrath Stelzner (bis 1874) [12]
1860   der Bundestag des Deutschen Bundes veranlasst kommissarische Vorberatungen zur Regelung eines einheitlichen Maß- und Gewichtswesens
    Hülße wird offizieller Vertreter des Königreichs Sachsen in der
    Fachmänner-Kommission für deutsches Maß und Gewicht inBerlin
1862   Berichterstattung Hülßes über die Industrieausstellung London
  Juli Hülße weilt in London
     
1863   Hülße erhält den Titel Geheimer Regierungsrat
    Hülße übernimmt Vorsitz der Technischen Deputation bei der kgl. Sächs. Regierung [17]
1865 Juni H. vertritt Sachsen auf der Tagung der Maß- und Gewichtskommission in Frankfurt/M. und leitet die Kommissionstagung
    hier wurden die wesentlichen Festlegungen für die neuen Maß- und Gewichtsordnung des Norddeutschen Bundes (1869) gelegt [23] [24]
  Nov. öffentlicher Bericht durch Dr. Hülße über die Tätigkeit der sächsischen Eichungs-Behörden in der Leipziger Zeitung, Wiss. Beilage, Nr. 90, vom 9. Nov. 1865
1868 23.06. Chr. A. Weinlig vertritt Sachsen im Bundesrat, Berichterstattung über die neue Münz-, Maß- und Gewichtsordnung, Annahme durch den Bundesrat auf der Grundlage der Weinlig’schen Vorschläge, die auf bestehende sächsische Verhältnisse und Hülßes federführenden Arbeiten basierten [24]
17.08.   Maaß- und Gewichtsordnung für den Norddeutschen Bund
    (Bundesgesetzblatt 1868, S. 473) [6]
1869 Febr. Hülße weilt zusammen mit Weinlig in Berlin und ist mit beratender Stimme am Entwurf von den Bestimmungen für zulässige Abweichungen für die Maß- und Gewichtsordnung sowie maßgeblich am Entwurf der Instruktionen für die Normal-Eichungskommission des Norddt. B. beteiligt.
  16.07. Inkrafttreten der Eichordnung für den Norddeutschen Bund(Bundesgesetzblatt 1869, Beil. zu Nr. 32, S. 1 ff.)
    Beginn der Arbeit der Kaiserlichen Normal-Eichungskommission, Sitz in Berlin
1872 01.01. Beginn der öffentlichen Gültigkeit neuer, metrischer Maße und Gewichte im Deutschen Reich
1873 19.01. Dr. Albert Christian Weinlig stirbt in Dresden (Freund und Förderer von Hülße)[25]
    nach Domsch „der erste Sozialpolitiker Deutschlands...“[26]
  19.01. am Begräbnistag von Weinlig wird auf Anregung der Chemnitzer Handelskammer von mehreren sächsischen Industriellen eine Weinlig-Stiftung ins Leben gerufen (Stiftungskapital mit Gründung: 60.000 M)[27]
    Ende Hülßes Mitwirkung am Polytechnischen Centralblatt
    übergibt die Leitung der Polytechnischen Schule Dresden an Gustav Zeuner, der zuvor Direktor der Bergakademie Freiberg war
    Hülße ist beigeordnetes Mitglied in der kaiserlichen Normal-Eichungs-Commission in Berlin [15]
    seine Tätigkeit im Landesculturrath als außerordentliches Mitglied für landwirtschaftliche Mechanik endet in diesem Jahr [16]
    Hülße wird Referent im Ministerium des Innern, Referent für das technische und gewerbliche Bildungswesen sowie für Statistik, Patentwesen und Eichwesen [17]
    Hülße übernimmt nach Weinligs Tod die Leitung des Statistischen Bureaus im Ministerium des Innern und veranlasst die Herausgabe des ersten statistischen Jahresberichtes
    (ab 1874 im Staatshandbuch f. d. Kgr. Sachsen benannt) [14]
1874   Hülße wird Vorsitzender der kgl. Sächsischen-Ober-Eichungs-Commission [1] [13] (ab 1875 im Staatshandbuch f. d. Kgr. Sachsen benannt) [13]
1875   übergibt die Leitung des Statistischen Landesamtes an Dr. jur. Karl Victor Böhmert (Reg.R.)
    Verleihung der Auszeichnung des Dt. Reiches: Verdienstorden, Comthur erster Classe [11]
  20.05. Vertrag zur Internationalen Meterkonvention zwischen vielen europ. Staaten in Paris
1876, 26.06. Julius Ambrosius Hülße stirbt in Dresden
    das Staatshandbuch für das Kgr. Sachsen vom Jahr 1876 weist ihn in folgenden Ämtern aus [11]
  • Referent im Ministerium des Innern
  • Vorsitzender der Kgl. Ober-Eichungs-Commission
  • Beigeordnetes Mitglied der kaiserl. Normal-Eichungs-Commission in Berlin
  • Vorsitzender der Technischen Deputation im Ministerium des Innern
  • Mitglied der Commission für die Staatsprüfungen der Techniker
1877, 08.10. Verordnung des Bundesrathes zur einheitlichen allgemeinen Anwendung von Bezeichnungen für Maße und Gewichte (Längenmaße, Flächenmaße, Körpermaße, Gewichte), „km“ und „m“ sind nun im Dt. R. verbindlich[4]
1886, 15.05. Max Eugen Hauschild aus Hohenfichte, ein ehemaliger Schüler Hülßes, verfügt eine Stiftung mit einem Kapital von 12.000 M zur Unterstützung von begabten, aber mittellosen Studenten der Höheren Gewerbschule und Werkmeisterschule in Chemnitz sowie zur Unterstützung von Lehrer-Witwen.
    Die Stiftung bestand formell bis 1932.
  17.06. durch Verordnung des kgl. Ministeriums des Innern wird die Errichtung der Hülße-Stiftung genehmigt
 
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