Methode 5 – Stationenarbeit
Grundidee
Stationenarbeit ist eine Form des offenen Unterrichts, bei der es darum geht, dass Schüler ein in verschiedene Teilaspekte differenziertes Thema weitgehend selbsttätig und selbstständig an Lernstationen erarbeiten, wobei sie die Reihenfolge ihrer Arbeitsschritte und die Verweildauer an jeder Lernstation weitgehend selbst bestimmen können.
Durchführung
Typische Phasen
- Hinführung zur Thematik des Lernzirkels:
Ein Steckbrief, eine Problemstellung, ein Filmausschnitt oder eine Collage u. a. sollen die Neugier der Schüler wecken und bei ihnen eine Fragehaltung hervorrufen.
- Rundgang entlang der Stationen zur ersten Orientierung:
Dabei liefert der Lehrer zusätzliche Informationen zu den jeweiligen Arbeitsaufträgen an den einzelnen Stationen, gibt Hinweise zum Umgang mit den Materialien oder bespricht mit den Lernenden die Regeln der Zusammenarbeit.
Tipp
Dabei sollen nur solche Informationen gegeben werden, die die Schüler nicht selbst aus den Arbeitsaufträgen erschließen können.
- Arbeit an den Stationen:
- In dieser Phase arbeiten die Schüler dem eigenen Lernrhythmus folgend an den Stationen. Die Arbeit an den Stationen kann in Einzelarbeit oder in Gruppenarbeit erfolgen, was entweder vom Lehrer vorgegeben oder von den Schülern selbst bestimmt wird.
- Pflichtstationen müssen von allen Schülern gleichermaßen durchlaufen werden.
- Bei Wahlstationen können die Lernenden frei nach ihren Interessen und ihrer Leistungsfähigkeit entscheiden, welche Aufgaben sie aus dem vorgegebenen Lernangebot – Wahlstationen – auswählen.
Tipp
Es können auch nur Pflichtstationen vorgegeben werden.
- Zwischen- bzw. Schlussgespräch:
Diese Gespräche zwischen den einzelnen Arbeitsphasen (bei sehr umfangreichem Lernzirkel empfohlen) bzw. am Schluss des Lernzirkels sollen das Bewusstsein des Einzelnen stärken, Mitglied in einer großen Lerngruppe zu sein, indem die Lernergebnisse gemeinsam besprochen werden. Dabei sollen auch Lernschwierigkeiten zur Sprache kommen und Probleme der Zusammenarbeit diskutiert werden (Kritikfähigkeit).
Natürlich dienen diese Gespräche im Plenum auch dazu, die Schüler zu ermutigen und beratend zu begleiten.
- Präsentation der Ergebnisse:
Die Ergebnisse aus einer Stationenarbeit eignen sich aufgrund ihrer Vielfältigkeit und Eigenständigkeit in der Regel gut, um im Klassenraum oder der Schule ausgestellt zu werden, was zu einer Öffnung des Unterrichts beiträgt.
Anzahl und Typen von Stationen
- Die Anzahl und die Typen der Stationen – Pflicht- und Wahlstationen – ist abhängig von:
- der Komplexität des Themas
- den angestrebten Lernzielen
- von der Größe der Klasse und
- den unterschiedlichen Lerninteressen und Lernniveaus der Schüler.
- Den Lernenden müssen so viele Arbeitsaufträge erteilt und Arbeitsmaterialien zur Verfügung gestellt werden, dass alle über eine vorgegebene Zeit hinweg beschäftigt sind.
- Der Schwierigkeitsgrad einer jeden Station sollte gekennzeichnet werden, z. B. durch Symbole auf den Aufgabenkarten der Schüler.
- Ein Laufzettel soll den Schülern Aufschluss geben über die einzelnen Stationen, z. B. ob es sich um Pflicht- oder Wahlstationen handelt und welche Sozialformen vorgeschlagen/vorgegeben werden. Auf diesem Zettel sollen die Lernenden außerdem den Stand ihrer Arbeit dokumentieren.
Arbeitsaufträge und Material
- Die Arbeitsaufträge sollten klar formuliert sein sowie unterschiedliche Leistungsniveaus berücksichtigen.
- Es sollten auch offene Aufgaben gestellt werden, da diese Aufgabenform Kreativität und Produktivität der Lernenden fördert.
- Material: z. B. Plakate, ausgelegte Schulbücher, kopierte Texte, Bilder
Organisation der Arbeit
- Die räumliche Anordnung der Stationen sollte so gewählt werden, dass für die Schüler der Aufbau und die Struktur des Lernzirkels überschaubar und nachvollziehbar ist.
- Jeder muss allein oder in einer Gruppe mit anderen ungestört arbeiten können.
- Ein klarer Ordnungsrahmen sollte geschaffen werden, in dem die Ablage von Materialien, der Ablauf der Arbeit an den Stationen, der Umgang mit fertig gestellten Arbeiten und der soziale Umgang der Schüler miteinander verbindlich festgelegt wird.
Tipp
- Dieser Ordnungsrahmen und die Regeln des sozialen Miteinanders sollte mit den Schülern gemeinsam ausgehandelt werden.
- Die Schüler sollten darüber hinaus auch die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeitsergebnisse selbst zu kontrollieren.
zurück
Beispiele
Thema: Welche Aufgaben haben folgende Verfassungsorgane der BRD?
Station 1: Bundesregierung
Station 2: Bundestag
Station 3: Bundesrat
Station 4: Bundespräsident
Einzelne Schüler oder Schülergruppen suchen sich eine oder mehrere der Stationen 1 bis 4 zur Bearbeitung aus. Sie bereiten mündlich und schriftlich eine Ergebnispräsentation vor und stellen sich diese gegenseitig vor. Jede Präsentation gibt auf die Fragen A, B und C Antwort.
z. B. Bundestag
A: Welche Aufgaben hat dieses Verfassungsorgan?
B: Was sollte man sonst noch darüber wissen?
C: Worüber kann man diskutieren?
Den Schülern werden Materialien zur Verfügung gestellt, z. B. das Grundgesetz, Internetadressen, Schulbuchtexte.
Ziel soll es sein, dass am Ende die gesamte Klasse über die wichtigsten Aufgaben der Verfassungsorgane informiert ist.
vgl.: W. Mattes u. a., 2001, S. 229ff.
Thema: Europäische Union
Station A: Merkmale der EU
Station B: Entwicklung der EU
Station C: Der Europäische Binnenmarkt
Station D: Die Europäische Währungsunion
Station X: ...
vgl.: W. Mattes u. a., 2001, S. 282ff.
zurück