Problemanalyse als Projektmethode
Literatur
- Center for Civic Education – F. Klaus Koopmann; 2001: Projekt: aktive Bürger. Sich demokratisch durchsetzen lernen. Eine Arbeitsmappe. Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr.
Grundidee
In beiden Hauptphasen mögliche Zwischenschritte
- Probleme auf der Gemeindeebene zu erkennen
- selbstständig unter Einbeziehung der vorhandenen Informationen eine Meinung zu entwickeln
- schließlich Lösungsvorschläge zu erarbeiten
- diese Lösungsvorschläge auch konkret umzusetzen
vgl.: F. K. Koopmann, 2001, S. 9
Durchführung
Das Projekt aktive Bürger besteht aus 10 Schritten:
- Schritt 1: Probleme sammeln
- Schritt 2: Ein Problem bestimmen
- Schritt 3: Informationen sammeln
- Schritt 4: Andere Lösungsansätze prüfen
- Schritt 5: Einen Lösungsweg entwickeln
- Schritt 6: Einen Aktionsplan erstellen
- Schritt 7: Eine Ausstellung vorbereiten
- Schritt 8: Die Ausstellung präsentieren
- Schritt 9: Das Problem anpacken
- Schritt 10: Erfahrungen reflektieren
Schritt 1: Probleme sammeln
- Die Schüler bekommen den konkreten Auftrag, Probleme in ihrem Gemeindeumfeld aufzuspüren.
- Gemeinsam sollen sie über die Probleme sprechen und in Erfahrung bringen, wie viel sie darüber schon wissen.
- Anschließend sollen sie (möglicherweise in Kleingruppen) mehr über die Probleme herausfinden. Dazu können alle Informationsquellen genutzt werden: Internet, Zeitungen, Interviews mit Beteiligten etc.
Tipp
Es bietet sich an, eine Liste mit Problemen, wie sie in vielen Stadtteilen und Gemeinden auftreten, den Schülern als Hilfe zur Hand zu geben.
Schritt 2: Ein Problem bestimmen
- Alle Probleme werden nun in der großen Gruppe zusammengetragen und diskutiert: Wie viel wissen wir zu bestimmten Problemen? Reichen sie, um ein Problem für die Untersuchung auszuwählen?
- Nun sollte entschieden werden, welches Problem angegangen“ werden soll.
Schritt 3: Informationen sammeln
- Nun gilt es, alle Informationen zu dem ausgewählten Problem zu beschaffen, die vorhanden sind. Gemeinsam wird überlegt, welche Informationsquellen es gibt.
- Es bietet sich an, Teams zu bilden, die die Informationen aus den einzelnen Quellen beschaffen.
- Informationsquellen können sein: Bibliotheken, soziale Organisationen, Selbsthilfegruppen, Bürgerinitiativen und andere Interessengruppen, Abgeordnetenbüros, Zeitungsredaktionen, Rechtsanwälte oder Richter, Ämter und Behörden, Professoren und Experten, Informationen aus dem Internet
Schritt 4: Andere Lösungsansätze prüfen
- Die verschiedenen Informationen müssen nun zusammengeführt werden.
- Aus den zur Verfügung stehenden Informationen sollen Lösungsvorschläge erarbeitet werden.
- Am besten können diese unterschiedlichen Lösungsansätze in Kleingruppen analysiert werden.
- Die Ergebnisse sollen anschließend in der großen Gruppe vorgestellt und diskutiert werden.
- Folgende Fragen können als Hilfestellung dazu beantwortet werden:
- Wie genau lauten die Lösungsvorschläge und welches Ziel verfolgen sie?
- Welche Einzelmaßnahmen, Schritte etc. schließen die Lösungsvorschläge ein?
- Welche Personen bzw. Gruppen vertreten die Ansätze?
- Was sind deren Interessen und Motive?
- Gibt es bereits erste konkrete Erfahrungen mit den Ansätzen?
- Welche Vor- und Nachteile hinsichtlich der Wirksamkeit bzw. Erfolgsaussichten der Ansätze sind absehbar?
- An welchem der Ansätze könntet ihr effektiv bzw. weniger effektiv mitwirken?
- Welche Bündnispartner wären für den einen oder anderen Ansatz zu gewinnen?
vgl.: F. K. Koopmann, 2001, S. 50.
Schritt 5: Einen Lösungsweg entwickeln
- Nun müssen sich die Schüler gemeinsam für einen Lösungsansatz entscheiden. Dazu muss nicht unbedingt ein völlig neuer Ansatz entwickelt werden. Es ist auch möglich, einen Ansatz zu unterstützen, der bereits von anderen Personen oder Gruppen vertreten wird.
- Aus den zur Verfügung stehenden Informationen sollen Lösungsvorschläge erarbeitet werden.
- Der ausgewählte Ansatz sollte den folgenden Ansprüche genügen:
- Er soll sich gezielt und umfassend auf die Problemlage, die während der ers-ten drei Schritte bearbeitet wurde, konzentrieren. (Nebenfragen bleiben ne-bensächlich)
- Er muss möglichst zu einer tatsächlichen Problemlösung, zumindest zu einer spürbaren Verbesserung der Ausgangslage führen.
- Er muss umsetzbar und sinnvoll in einzelne Schritte gliederbar sein.
- Die Umsetzung des entwickelnden Ansatzes sollte jeder Zeit überprüfbar sein.
- Der Ansatz sollte eine eigene Beteiligung ermöglichen.
- Der Ansatz darf sich nicht negativ auf andere Menschen bzw. deren Lebens-bedingungen auswirken.
- Der Ansatz muss der Verfassung des Bundeslandes sowie dem Grundgesetz und dem geltenden Recht sowie der Gesetzeslage entsprechen.
- Der Ansatz sollte politische Institutionen und Behörden umfassend mit einbeziehen.
- Der Ansatz sollte darüber hinaus an der Lösung des Problems ebenfalls interessierte Personen und Gruppen (als Bündnispartner) mit einbeziehen.
vgl.: F. K. Koopmann, 2001, S. 51.
Schritt 6: Aktionsplan erstellen
- Die Schüler sollen gemeinsam einen Plan entwerfen, der die einzelnen Schritte zur Umsetzung des Lösungsvorschlags aufzeigt.
- Der Aktionsplan sollte folgende Sachverhalte klären:
- Die Maßnahmen müssen genau beschrieben werden.
- Wann sollen welche Maßnahmen stattfinden?
- Wer ist für welche Maßnahme konkret verantwortlich?
- Welche Bündnispartner werden sich beteiligen und wie? Welche können noch bewegt werden, sich zu beteiligen?
- Welche Argumente können von Gruppen kommen, die gegen den Lösungsvorschlag sind? Wie kann man sich darauf vorbereiten?
- Welche Möglichkeiten gibt es, zuständigen politischen Institutionen und Behörden den Lösungsweg zu präsentieren und sie schließlich auch zu überzeugen?
Schritt 7: Eine Ausstellung vorbereiten
- Mit einer Dokumentation der inzwischen umfangreichen gesammelten Informationen zur Problematik soll zum einen die interessierte Öffentlichkeit erreicht werden. Zum anderen soll sie helfen, die zuständigen Behörden und Institutionen zu überzeugen.
- Es bietet sich an, die Ausstellung in zwei Abteilungen zu gliedern: einer Schautafel und einer Dokumentationsmappe.
- Die Schautafel besteht aus fünf Teilen:
| Teil 1: |
das Problem darstellen und erklären |
| Teil 2: |
andere Lösungsansätze darstellen |
| Teil 3: |
den eigenen politischen Lösungsansatz darstellen |
| Teil 4: |
den erarbeiteten Aktionsplan darstellen |
| Teil 5: |
bleibt zunächst frei, denn in ihm sollen die gerade angelaufenen und geplanten Aktivitäten dokumentiert werden |
- Die Dokumentationsmappe bezieht sich auf die Schautafeln, sollte sie ergänzen und weitere Hintergrundinfos enthalten.
- Bei diesem Schritt bietet es sich wieder an, die Gruppe in Kleingruppen arbeiten zu lassen.
Schritt 8: Die Ausstellung präsentieren
- Die Ausstellung soll nun in einem möglichst öffentlichen Raum ausgestellt werden. Dazu soll die Gruppe eine Präsentation vor einer außenstehenden Öffentlichkeit halten. Das könnten im einfachsten Fall die Nachbarklasse oder die Eltern sein. Schwieriger wird es im Bürgerzentrum oder Stadtteilhaus. Anspruchsvoll wäre es auch, wenn die Präsentation vor Vertretern des Gemeinderates stattfindet.
- Die Schüler sollen hier lernen, wie man ein wichtiges Anliegen öffentlich präsentiert und andere Menschen überzeugt.
- Vier Ziele sollen mit der Präsentation erreicht werden:
- Die Öffentlichkeit über die Wichtigkeit des Problems informieren.
- Eine umfassende Information über andere Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und damit die Vor- und Nachteile jeder einzelnen darstellen.
- Den eigenen als besten Lösungsansatz begründen.
- Die Unterstützung von anderen Gruppen und Initiativen benennen.
- Die Präsentation sollte gründlich vorbereitet werden.
- Die Präsentation sollte nicht ein Schüler allein halten. Sinnvoller wäre es, mehrere Schüler einzubeziehen.
- Die Präsentation kann mit einer mündlichen Einleitung beginnen. Daran sollte sich eine Fragerunde anschließen. Hier hat die Öffentlichkeit die Möglichkeit, evtl. aufgetretene Fragen zu stellen
Schritt 9: Das Problem anpacken
- Bevor der erarbeitete Aktionsplan nun konkret umgesetzt werden kann, sollten die Schüler überprüfen, wie sich die politischen Initiativen und Behörden insbesondere nach der Präsentation verhalten. Gab es schon irgendwelche Reaktionen? Wenn ja, ist eine Änderung des Aktionsplanes sinnvoll?
- Im nächsten Schritt sollen die geplanten Aktivitäten durchgeführt werden.
Schritt 10: Erfahrungen reflektieren
- Folgende Fragen können den Schülern helfen, das Projekt zu reflektieren:
- Was habe ich persönlich über Politik gelernt und was hat in diesem Zusammenhang die Kooperation mit den anderen Gruppenmitgliedern bedeutet?
- Was haben wir als Gruppengemeinschaft durch die Problembearbeitung und die Vorbereitung der Ausstellung über Politik gelernt?
- Welche Fähigkeiten habe ich bei diesem Projekt erworben oder verbessert?
- Welche Fähigkeiten haben wir bei diesem Projekt erworben oder verbessert?
- Welche Vorteile hat die Zusammenarbeit im Team?
- Welche Nachteile hat die Zusammenarbeit im Team?
- Was habe ich gut gemacht?
- Was muss ich noch verbessern?
- Was haben wir gut gemacht?
- Was müssen wir verbessern?
- Wie kann ich meine Fähigkeit, Probleme zu erkunden, zu untersuchen und zu lösen, verbessern?
- Wie können wir unsere Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu analysieren und mit politischen Mitteln zu lösen, verbessern?
- Was würden wir vielleicht anders machen, wenn wir noch einmal ein Problem in unserer Gemeinde bzw. unserem Stadtteil bearbeiten und versuchen würden, uns an dessen politischer Lösung aktiv zu beteiligen? Was, wenn wir dazu schließlich eine Ausstellung vorzubereiten und öffentlich zu präsentieren hätten?
vgl.: F. K. Koopmann, 2001, S. 64
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